Miteinander reden statt übereinander
Wir kennen das wohl alle. Man hat sich tierisch über etwas oder jemanden geärgert. Ein Verhalten oder ein blöder Spruch vom Kollegen, vom Partner oder von der guten Freundin. Es fühlt sich einfach nur unangenehm an... man fängt an zu überlegen, warum diese Person dieses oder jenes gesagt oder getan hat, hinterfragt alles und regt sich tierisch auf. Natürlich brauchen wir dann oft eine Person, die uns versteht und mit der wir unseren Ärger teilen können... Wir wollen, dass auch andere Personen, das Gesagte oder das Verhalten doof finden. Man fühlt sich völlig falsch verstanden, versteht die Welt nicht mehr und spinnt sich irgendeine Theorie zusammen, was den anderen dazu bewogen haben könnte so zu handeln.
Und genau hier kommt der Knackpunkt... wir interpretieren, ohne eigentlich genau zu wissen, was dahinter steckt und was wirklich der Grund für ein bestimmtes Verhalten ist. Anstatt die betreffende Person direkt anzusprechen, machen wir uns ein wenig zum Opfer und reden mit anderen darüber... Dann kommen andere Meinungen dazu und es werden Annahmen getroffen...hätte, wäre, könnte. Am Ende des Tages wissen wir es aber leider doch nicht genau, ganz egal mit wie vielen Menschen wir darüber reden. Stunden und Tage vergehen, viel Energie geht verloren und eine eisige Kälte entsteht zwischen den beiden Personen, die ist im Grunde tatsächlich betrifft. Dabei wäre es doch so einfach... wir sprechen die betreffende Person an und fragen erstmal nach, was da der Hintergrund war, anstatt zu interpretieren und uns etwas zusammen zu reimen. Aber warum tun wir genau das nicht?
Ich denke, dass es viel mit Mut zu tun hat oder umgedreht mit Angst...Angst vor der Konfrontation, Angst vor der Reaktion, vor Konflikten, vor anderen Meinungen. Lieber die Harmonie aufrechterhalten und den Konflikten aus dem Weg gehen...Ach so schlimm war es dann doch wieder nicht... Aber der kann mich trotzdem mal, ich geh dem jetzt aus dem Weg...und so bauscht sich das ganze Auf, bis die Bombe vielleicht irgendwann mal richtig platzt, dann völlig unqualifiziert und unberechtigt.
Aber was ist schlimmer? Einmal in die Konfrontation zu gehen, Dinge ansprechen und klären und sich selbst damit erleichtern oder alles in sich hineinfressen und ewig mit sich rumschleppen...
Aus meiner Sicht wäre unser aller Miteinander viel leichter, wenn wir mehr miteinander reden würden. Wir hätten tatsächlich weniger Probleme, weniger Sorgen und das ewige Annahmen treffen und spekulieren hätte ein Ende. So schwer es uns manchmal fällt, die andere Person wird uns schon nicht auffressen, wenn wir sagen was wir denken. Nein, tatsächlich schätzen uns viele auch dafür, dass wir ihnen mit Ehrlichkeit begegnen als hintenrum zu reden. Das soll ja nicht heißen, dass wir uns nicht mal über den anderen aufregen dürfen... ich denke, dass das auch ganz menschlich ist. Doch wenn uns wirklich etwas auf der Seele brennt und uns den Alltag erschwert, wäre ein direktes Gespräch wesentlich sinnvoller. Wir schwer etwas wiegt und ob es dafür ein Gespräch braucht, kann ja jeder nur für sich selbst entscheiden.
Dann kommt es ja auch immer drauf an, wie man etwas anspricht. Geht man hin, motzt den anderen an und macht ihm Vorwürfe, muss man damit rechnen, dass der andere in die Abwehrhaltung geht oder sich entsprechend verteidigt. Und dann wird aus einer Mücke ein Elefant gemacht. Und da sind wir auch schon beim nächsten Knackpunkt... bevor man wild um sich schmeißt, dann erstmal ganz offen und ruhig die Frage stellen, wie etwas gemeint war und dass man irritiert war. Dann hat der andere erstmal die Chance, dazu etwas zu sagen, bevor Vorwürfe gemacht werden. Gewaltfreie Kommunikation ist hier das Zauberwort. Dann ergeben sich oft ganz neue Aspekte und Missverständnisse lassen sich ganz einfach aus der Welt schaffen. So wie es in den Wald schallt, so schallt es eben oft auch zurück. Dinge ansprechen und klären, Fragen stellen und nicht interpretieren und annehmen, oft garnicht so einfach wie es erscheint.
Auch Ich kenne das nur zu gut. Ich denke, jeder kennt das. Aber ich kenne nun auch die andere Seite. Dinge ansprechen, in die Konfrontation gehen, Sachen direkt klären und merke immer mehr, wie viel leichter das Leben dadurch ist. Und wenn man sich die Frage stellt "Was ist das schlimmste was jetzt passieren kann?" der Kollege, die Freundin, der Chef etc. wird einen anschreien, kündigen oder sich abwenden... ja dann war es eh nicht das Wahre oder man hat vielleicht doch falsch kommuniziert. Aber meistens stelle ich mir die Frage und dann relativiert sich so vieles... So viel Schlimmes kann garnicht passieren... Am Ende des Tages ergeben sich durch das "Mund aufmachen" ganz neue Aspekte und Dinge. Dinge mit denen man garnicht gerechnet hat. Es hilft und ich würde mir sehr wünschen, dass wir mehr miteinander reden, statt übereinander. Denn oft ist es allein die fehlende Kommunikation, die uns das Leben so schwer macht...
In diesem Sinne, let's talk.
Liebe Grüße
Brownie
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