Gesundheit ist wichtiger als der Job oder ist es doch oft noch andersherum?

 


Ja als ich klein war, dachte ich immer, dass ein guter Job, Geld und Karriere im Vordergrund stehen. Möglichst ein gutes Gehalt, eine Arbeit mit tollen Entwicklungsmöglichkeiten, um mit dem Geld dann tolle Reisen zu machen. Ich glaubte, man muss hart arbeiten, um Anerkennung zu bekommen, immer stark sein und Dinge vorantreiben. Nur dann ist man etwas in dieser Gesellschaft... Jahrelang folgte ich diesen Glaubenssätzen. Mein Ziel war garnicht so sehr viel Geld zu haben, sondern viel mehr durch meine Arbeit Anerkennung zu bekommen, sich etwas leisten zu können und mich möglichst ständig selbst zu optimieren... Privat wie Beruflich. 

Und dann kam der große Knall, ja eine Explosion. Von heute auf morgen war alles anders. Alles was man sich erarbeitet hatte, alle Bemühungen sich selbst und seine Arbeit zu optimieren, waren plötzlich wie leer gefegt. Kein Entkommen mehr, keine Kraft mehr, nur noch ein großes schwarzes Loch. Ich hatte bei allen Aktivitäten und Planungen, eine entscheidende Sache übersehen: meine eigene Gesundheit. 

Und genau darin steckt das Kernproblem. Die Arbeit wird über die eigene Gesundheit gestellt. Ganz nach dem Motto "komme was wolle, ich gehe arbeiten". Aber was genau steckt eigentlich dahinter? Wollen wir das wirklich oder haben wir vielleicht auch einfach nur Angst vor den Konsequenzen? Man könnte einen schlechten Eindruck von uns haben, vielleicht sogar den Job verlieren, wenn wir nicht so funktionieren. Vielleicht möchte man sich auch einfach selbst etwas beweisen, stark sein und bloß keine Müdigkeit vortäuschen. Aber schaden wir uns am Ende dadurch nicht noch mehr? Unfit und krank zur Arbeit gehen, den Job nur halbherzig machen, unproduktiver sein und am Ende des Tages völlig müde und kaputt ins Bett fallen. Das alles für welchen Preis? Damit wir beim Chef einen guten Eindruck machen, wir ein Lob bekommen, weil wir so viel arbeiten... Ist es das wirklich? 

Und ich sag euch eins, in 90 Prozent der Fälle, sind wir beliebte Mitarbeiter. Unsere Arbeitgeber freuen sich doch genau über solche, die über den Tellerrand schauen, einspringen wenn Not am Mann ist, mehr arbeiten als wir müssten und ständig zur Verfügung stehen. Ich habe immer geglaubt, man steht mit diesem Problem alleine da, doch leider ist das ein weitverbreitetes Phänomen unserer Gesellschaft. Wir denken schnell an einen Jobwechsel, in der Hoffnung, dass wir woanders besser aufgehoben sind, mehr auf uns und unsere Gesundheit geachtet wird. Doch stellen wir immer wieder fest, dass das Gras nicht grüner ist auf der anderen Seite. Vielleicht legt der eine Arbeitgeber mehr wert darauf als der andere, das mag sein, doch am Ende des Tages geht es doch überall um die Sache: der Rubel muss rollen, das Projekt fertig und die Aufgaben erledigt werden. Denn der Druck steigt einfach überall. Sei es durch Personalmangel, durch Umsatzziele oder irgendwelche Vorgaben von oben. 

Doch wie kommen wir aus diesem Dilemma raus? Ist es nicht ein Teufelskreis indem wir stecken oder können wir noch aussteigen? Meine klare Antwort ist "Ja, wir können!" Wir müssen nur einfach aufhören, daran zu glauben, dass unsere Arbeitgeber sich in der Verantwortung fühlen. Auch, wenn es dafür schon viele Ansätze gibt (durch betriebliches Gesundheitsmanagement z.B.). Am Ende des Tages, sind wir ganz alleine verantwortlich für unsere Gesundheit, unser Wohlbefinden und unsere Balance. Solange wir den Arbeitgebern zeigen, dass unsere Arbeit so wie sie ist funktioniert, es keine Beschwerden gibt, wir auch bereit sind über ein normales Maß hinaus zu arbeiten, gibt es keinen Anlass zur Veränderung. Die Grenzen müssen wir setzen und Stopp sagen. Genauso unsere Ängste vor Konsequenzen müssen wir überwinden. Und ich sag euch, in den meisten Fällen wird es gar keine Konsequenz geben. Da muss schon viel passieren, wenn der Arbeitgeber grundsätzlich zufrieden mit dir ist. Uns muss es auch egaler werden, was andere über uns denken. 

Wie oft wünschen wir unseren Familien, Freunden und Kollegen Gesundheit zum Geburtstag und betonen die Wichtigkeit dieser, doch halten uns im Zweifel selbst nicht daran. Wann stellen wir wirklich die Gesundheit an erster Stelle? Ja, wir alle brauchen Geld und ein Auskommen, doch wie hoch ist der Preis? Ich würde mir wünschen, dass wir das alle mehr hinterfragen und mehr Verantwortung für uns selbst übernehmen. Dazu braucht es Mut, Mut seine eigenen Grenzen zu kennen und diese dann auch zu setzen. 

Hey, es ist keine Einbahnstraße. Wir können jeden Tag die Entscheidung treffen, was uns wichtig ist und worauf wir den Fokus legen. Wir sind nicht gefangen, auch wenn wir uns manchmal so fühlen. 

In diesem Sinne, herzliche Grüße

Brownie 

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