Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!
Wie oft haben wir diesen Spruch schon gehört oder gar selbst verwendet. Wie oft wollen wir alles "unter Kontrolle" haben und ja nichts dem Zufall überlassen. Wir alle kennen sie, diese "Controlfreaks", die über alles und jeden Kontrolle behalten wollen, alles selbst machen wollen und ja niemanden Verantwortung übertragen oder gar Vertrauen in andere zu haben. Das Wort "Vertrauen" allein ist schon wie Gift für solche Menschen. Sie selbst alleine können alles, wissen alles und alle anderen machen es sowieso falsch. Solche Menschen begegnen uns überall, in der Arbeit oder auch im Privaten. In der Arbeit ist es besonders anstrengend. Im Privaten haben wir zumindest die Möglichkeit uns von solchen Menschen zu distanzieren. In der Arbeit ist das nicht immer so leicht. Der Chef, der Kollege oder die Kollegin hat ständig etwas auszusetzen, muss einen ständig zurechtweisen und sogenannte "Fehler" ausbügeln, ständig in der Angst, dass der Laden/ das Geschäft zusammenbricht, wenn er/sie nicht alles im Griff hat.
All das kommt Euch sicher bekannt vor und ich bin mir ganz sicher, dass jeder so jemanden in seinem Umfeld kennt. Doch mal Hand aufs Herz... kennen wir das nicht auch manchmal von uns selbst? Wollen wir nicht auch gerne "alles im Griff" haben? Alles soll laufen, unser Leben, unser Job, unsere Beziehung, unsere Freizeitaktivitäten, unsere Ernährung... ein nahezu perfektes Leben, keine Risse, keine Ungereimtheiten. Und wenn dann eine Sache nicht so läuft, brauchen wir einfach nur genug Disziplin um wieder in unsere "Kontrolle" zu kommen. Wenn wir gefragt werden, wie es uns geht... dann geht es uns natürlich bestens... läuft doch alles "Mein Haus, mein Auto, mein Boot....". Der Kontrolletti läuft auf Hochtouren... Nach außen hin, immer alles schön perfekt erscheinen lassen.
Ja und auch ich kenne das nur zu gut. Der Kontrolletti war lange Zeit ein treuer Begleiter für mich. Solange alle Lebensbereiche funktionierten (Job, Gesundheit, Freizeit, Soziale Kontakte) war er happy. Sobald irgendwas nicht lief, musste sofort gegengelenkt werden. Kein Spielraum für Aussetzer, stattdessen zusammenreißen, Zähne zusammenbeißen und alles wieder in geordnete Bahnen lenken.
Und dann die große Wende. Plötzlich ruckelt es ganz schön im Karton, wie kurz vor einer Explosion. Und dann der große Knall. Job weg, Gesundheit im Keller, keine Motivation mehr für Freizeitaktiviäten und Soziale Kontakte. Das mühsam aufgebaute Kartenhaus, fällt mit einem Mal einfach so zusammen. Alle Versuche und alle Kraft des Kontrollettis alles wieder aufzubauen schlagen fehl.... immer wieder ist der Wind stärker und haut alles wieder um. Auf einmal weiß der Kontrolletti garnicht mehr was er tun soll, völlig überfordert und außer Rand und Band. Nichts mehr unter Kontrolle, keine Sicherheiten mehr, das ganze Leben wird plötzlich auf den Kopf gestellt. Der völlige Weltuntergang und die pure Verzweiflung, nichts hilft mehr...
Und dann urplötzlich die große Erlösung... Das unmögliche tritt ins Leben. Es hat den kuriosen Namen "Vertrauen". Sie hilft dem Kontrolletti wieder auf die Beine, nimmt ihn an der Hand und sagt "Alles wird gut, lass mich mal machen, entspann dich". Mit viel liebevoller Zuwendung und Bestärkung wird der Kontrolletti plötzlich ruhiger, weicher und kann nach und nach immer mehr loslassen. Auf einmal fühlt sich alles so leicht an, so einfach und Dinge passieren, mit denen man nie gerechnet hätte. Besondere Menschen treten ins Leben, eine andere Jobmöglichkeit tut sich auf, die Freizeit beginnt sich wieder mit schönen Dingen zu füllen. Aber alles auf eine angenehme, entspannte hat. Nicht um alles unter Kontrolle zu haben, sondern das zu leben, was einem Freude macht und was einem im Herzen erfüllt. Die Herausforderungen des Lebens werden ganz anders angegangen, es werden kreative Lösungen gefunden und auch akzeptiert, dass gewisse Dinge einfach nicht in unserer Macht stehen... wir nicht alles unter "Kontrolle" haben können.
Der obige Spruch "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser" löst bei mir gleich eine Art Druck aus. Drehen wir ihn doch mal um... "Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser" Da wird mir gleich warm ums Herz.
Was ist die Moral von der Geschichte?
Wir können im Leben niemals immer alles unter Kontrolle haben. Eine gesunde Kontrolle ist gut, doch wenn uns das Vertrauen fehlt, werden wir vielleicht kleine oder auch große Überraschungen, die uns das Leben bereit hält, verpassen. Wir geben dem Leben keine Chance, auch mal Dinge passieren und entwickeln zu lassen, weil wir immer schon einen Plan haben und ja nichts schief laufen darf. Das Leben hat aber mehr zu bieten. Mein Kontrolletti ist auch nicht weg, nur weil ich mehr Vertrauen ins Leben habe. Er ist immer noch ein Teil von mir, doch hilft es mir in vielen Situationen, ihn auch mal auf die Couch zu setzen und zu sagen "Chill mal" Jetzt ist Zeit für "Vertrauen". Gerade dann, wenn Dinge nicht in unserer Macht stehen... wie aktuell z.B. die Corona Krise. Ich kann nur sagen, dass ich unglaublich dankbar dafür bin, dass ich dem Vertrauen immer öfter den Raum gebe für Überraschungen. Es ist doch auch total spannend mal "out of control" zu sein. Ich will garnicht mehr alles wissen und planen. Da darf nun immer ein bisschen Spielraum sein für das Universum, welches uns etwas ins Leben schickt.
In diesem Sinne "Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser!"
Liebe Grüße
Eure Brownie
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